Ausbildung in Deutschland- Kritik an einer modernen Odyssee

Der Aufwand sowie das Preis-Leistungs-Verhältnis einer Ausbildung in Deutschland entspricht dem unflexiblen Abarbeiten von Sozialstunden im Ausland.

Die Welt wird kleiner, die Gesellschaft globaler, die Kinder internationaler; alle Chancen in jedem Land können genutzt werden und doch scheint der Start ins Berufsleben in der BRD erstarrt zu sein. Seit Jahrzehnten.

Drei Jahre dauert es im Durchschnitt, manchmal nur zwei; alles darunter wird nicht ernst genommen und ist meistens nicht staatl. anerkannt. Wählt man den Universitätsweg können schon einmal wesentlich mehr Jahre verstreichen. Ohne Selbstständigkeit, abhängig von den Eltern und eigentlich nur auf dem Papier erwachsen. Denn im Grunde definiert sich Erwachsensein durch die frisch erworbene finanzielle Unabhängigkeit. Zumindest für einen selbst. Erst dann kann man ernsthaft von Abnabelung sprechen.

Doch was passiert, wenn die eigene Berufswahl sich als Fehlentscheidung entpuppt? Wenn man unglücklich ist mit dem was man tut.

Wir leben in einer Zeit in der Neuorientierung und geistige Flexibilität als Voraussetzungen für berufliche Erfolge gelten. Doch Neuorientierung im Ausbildungssektor scheint unerwünscht zu sein, gleich einem Tabu. Beendet man eine Lehre erfolgreich und möchte mit, sagen wir im Idealfall 19 Jahren, eine weitere Ausbildung gemäß seinen neu entdeckten Fähigkeiten machen, erweist sich die Stellensuche oft als schwierig. Es heißt: „Nur Erstausbildung erwünscht“. Da nützt es auch nichts, wenn man Genius genug ist, um die völlig abgehobenen Einstellungstests zu bestehen. Woher soll ein Jugendlicher, auf Fachwissen getrimmt, eine Allgemeinbildung haben, die jedes Professorenhirn zum Ächzen bringen würde?

In einer Schule, in der in drei Jahren Geschichtsunterricht dreimal die französische Revolution behandelt wurde, lernt der Durchschnittsschüler nichts über die politische Entwicklung im Nachkriegsdeutschland.

Angenommen man studiert 6 Jahre Medizin oder Jura und man beendet es, weil man zum einen eine abgeschlossene Berufsausbildung einer Abgebrochenen vorzieht, und zum anderen bis zum letzten Jahr keine Alternative sah; dann müsste man bei Beginn einer neuen Ausbildung, zwecks Zufriedenheitszugewinn, mit mind. weiteren drei Jahren rechnen, in denen man nur von Bafög lebt. Derweil ist man geschätzte 28 Jahre alt, weiblich ohne Kind, wohnhaft in einer WG und mit völlig unterentwickeltem Verantwortungsbewusstsein durch Nicht-Nutzung. Eventuell zahlt man sogar pro Semester 1.500 Euro Vernunftsgebühr. Schließlich hat man soviel Reife gezeigt seine Studien zu beenden anstatt abzubrechen.

Völlig chancenlos ist derjenige, der sich U40 nochmal umorientieren will, sich einen beruflichen Traum erfüllen oder einfach nur eine Arbeit finden muss. Wer nimmt wohl einen fünfzigjährigen Lehrling? Welcher fünfzigjährige kann sich drei Jahre bei 400 Euro monatlich leisten? Geschweige denn ein Studium ohne finanziellen Ruin…

Wo ist die Flexibilität in der Ausbildung? Die reelle Chance für eine Frau ein anspruchsvolles (in der BRD=langes) Studium mit anschließender jahrelanger unterbezahlter Assistenz zu machen und dabei vor 38 eine Familie gründen zu können?

Ohne in vitro Fertilisation….

In Deutschland dauert alles zu lange. Von der Autoreparatur, über die Verwaltungsarbeit bis hin zu der besprochenen Ausbildungsproblematik. Es wird mit dem Aufrechterhalten des deutschen Qualitätsstandards argumentiert, doch hat in den letzten Jahren mal einer sein wichtiges Näschen in die Berufsschulen oder Hörsäle gehalten? Wo ist die Qualität am Anfang der Produktionskette? Man ist Handlanger im Praktikum (selbst nach dem Studium noch), Besenschwinger in der Werkstatt und mehr als lästig an der Uni. Genommen werden nur solche Professoren, die Erfolg in der Forschung und nicht in der Lehre vorweisen können. So kommt es das der Vortragende oft selbst erst ein halbes Jahr im Beruf steht und höchstens das Amt eines Doktoranden bekleidet.

Ist eigentlich irgendjemandem bewusst, auf welch niedrigem Qualitätsstandard die Produzenten von „Made in Germany“ heute ausgebildet werden?!

Fakt ist, dass ein gesunder Arbeitsmarkt von Morgen einen anderen Start bedarf. Kurze, intensive, evtl. schulische Ausbildungen, reduziert auf das Wesentliche und ohne Praxis, die keine Praxis ist, sondern nur zeitraubende Beschäftigungstherapie.

Vielleicht darf man auf die Zeit nach der Bundestagswahl hoffen. Schließlich lautet der Slogan einer Partei: „Arbeit muss sich wieder lohnen“; man ergänze ihn durch das Wort Ausbildung und würze das Süppchen noch mit etwas Durchsetzungskraft und Mut zu Erneuerungen ab und schon könnte das Ganze ein Erfolgsrezept werden!

Guten Appetit!

 

(Anm.: Ich bin ursprünglich approbierte Tierärztin….das Foto stammt vom Tag meines Abschlussexamens 😉 )

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